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Q2-Talk

Gespräch mit Matthias Fink, Exterieurdesign, und Jens Kosyna, Technischer Projektleiter Audi Q2

Hallo Jens, hallo Matthias, wenn ihr jetzt vor dem fertigen Auto steht – seid ihr dann zufrieden?
Oder würdet ihr im Nachhinein gern etwas anders machen?

Jens Kosyna: Da fällt mir nichts ein. Der Q2 ist das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Technischer Entwicklung und Design. Es war ein Projekt, in dem wir im Team viele gute Lösungen gefunden haben.

Matthias Fink: Wenn ich das Auto jetzt in Blech vor mir sehe, bin ich einfach nur glücklich. Wie kompakt der Q2 hier vor uns steht, mit seinen breiten Schultern und den kurzen Überhängen, das ist schon toll.

Jens Kosyna: Da sind wir an die Grenze des Machbaren gegangen, immerhin geht es da vorne ja auch um Kühlung und Crashstrukturen. Auch beim hinteren Überhang haben wir uns mit dem Design perfekt getroffen.

Womit wir schon beim Thema Technik und Design wären.
Was für ein Fahrzeugcharakter ist aus Beidem entstanden?

Matthias Fink: Der Q2 steht kraftvoll und kantig und ein wenig rough da – nicht gerade ein sehniger Leichtathlet, eher ein jugendlicher Crossfit-Typ. Durch seine flache, coupéhafte Kabine hat unser kompaktester SUV sehr sportliche Gesamtproportionen. Gleichzeitig verleihen ihm sein robuster und solider Torso sowie die Offroad-spezifische Beplankung von Schweller und Radläufen einen besonders starken SUV-Charakter.

Jens Kosyna: Wir nutzen beim Q2 den kürzesten verfügbaren Radstand im Baukasten. Er misst nur 2.595 Millimeter, zugleich haben wir eine Menge Innenraum aus ihm herausgeholt. Und der cw-Wert beträgt 0,30. Ein kompakter SUV stellt aerodynamisch eine richtig große Herausforderung dar – wir haben den Q2 so lang gezogen, wie es nur ging.

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Wie haben Aerodynamik und Design zusammengefunden?

Matthias Fink: Wir haben uns überlegt, wie wir Aerodynamik sichtbar machen können. Einige der aerodynamischen Maßnahmen haben ja durchaus gestalterisches Potential. Das fängt schon ganz vorn am Auto an. Die Lufteinlässe sowohl in der design- und sport-Line als auch in der S-Line sind an der Außenkontur sehr stark vertikal ausgelegt und wirken nicht nur optisch wie Luftleitbleche.

Jens Kosyna: Der entscheidende Bereich für den cw-Wert des Audi Q2 ist das Heck – dort, wo die Strömung abreißt. Die Dachlinie sinkt früh wieder ab, die Heckscheibe steht sehr flach, und das niedrige Glashaus zieht sich tropfenförmig ein…

Matthias Fink: …was dazu führt, dass der Body in der Heckansicht noch breiter wirkt. Von oben drückt das Dach mit seiner flachen Heckscheibe und dem langen Dachkantespoiler, und von unten zieht der Unterfahrschutz in der design- und sport-Line sowie der Diffusor in der S-Line sehr weit hoch. Das lässt das Heck extrem breit wirken.

Jens Kosyna: Ein wichtiger Faktor ist auch der sehr lange Dachkantenspoiler mit seinen dreieckigen Aero-Ecken. Er arbeitet eng mit den aerodynamisch angeformten Heckleuchten und den Blades auf den C-Säulen zusammen. Das weich geformte Blade schafft einen optimalen Abschluss. Es kam übrigens als coole Idee aus dem Design…

Matthias Fink: Der optische Effekt des Blades ist, dass es die Höhe über dem Rad reduziert und die C-Säule breiter als hoch erscheinen lässt. In der Seitenansicht wirkt der Q2 ja sehr coupéartig, keilförmig und geduckt. Die Schulterlinie teilt sich unter den Seitenfenstern auf und bildet eine sechseckige Fläche – als hätte man sie mit einem scharfen Werkzeug aus einem Monolith herausgeschnitten. Diese Lösung erzeugt ausgeprägte Dreidimensionalität, und vor allem zieht sie die Schulterlinie in diesem Bereich nach unten, während sie über den Rädern oben bleibt – die ganze Kabine wird scheinbar zwischen die Räder gedrückt. Das sieht aus wie bei einem Footballspieler, dessen Kopf zwischen den starken und schützenden Schultern zu stecken scheint…

.. und gibt zugleich einen Hinweis auf den quattro-Antrieb.

Matthias Fink: Absolut. Dieses Bodyside-Thema gliedert das Fahrzeug ganz klar in drei Teile: vordere Radhäuser – Rumpf/Taille – hintere Radhäuser. Das scharfkantige Design des Q2 mit seiner klaren Betonung aller vier Räder ist ganz deutlich eine Hommage an unsere quattro –Geschichte, jedoch neu interpretiert: Anstatt die „quattro-Backen“ additiv aufzusetzen, haben wir sie durch Abtragen zwischen den Rädern herausmodelliert. Zusätzlich haben wir die Radkästen mit breiten Radspiegeln eingefasst, sie betonen die Räder und den quattro-Antrieb. Besonders stark ist dieser Effekt bei den Lines mit Radläufen und Schwellerleisten in Kontrastfarbe. Der Äquator, die Trennlinie zwischen Blech und Anbauteilen, liegt beim Q2 sehr hoch, typisch für einen SUV.

Was ist das größte Räderformat beim Q2?

Jens Kosyna: 19 Zoll. Der Modulare Querbaukasten, auf dem das Auto basiert, ist sehr flexibel, aber natürlich setzt er Grenzen. Sie werden durch Aspekte wie Gewicht, Wendekreis, Radaufhängungen und Längsträgerspur definiert.

In der Produktion ist die scharfe doppelte Schulterlinie ja sicher nicht ganz einfach…

Jens Kosyna: Sie ist sehr komplex, vor allem dort, wo sie sich teilt – und sie bietet eine große Herausforderung für die Produktion. Wir können bei solchen Herausforderungen voll und ganz auf unseren Werkzeugbau zählen. So konnten wir intensiv an der Qualität arbeiten.

Wo gab es ähnliche Herausforderungen?

Jens Kosyna: Spannend ist auch der Bereich vor dem Hexagon – dort, wo A-Säule, Kotflügel, Motorhaube und Tür zusammentreffen. Hier müssen die Linien von Haube, Schulter und Türspalt exakt verlaufen. Und beim Öffnen der Haube im Winter sowie beim Lackieren darf es natürlich keine Probleme geben. Die extreme Präzision, die wir hier verwirklicht haben, ist ein Gestaltungsmittel der Marke Audi.

Wie ist das Konzept der Polygonale und der harten Kanten eigentlich entstanden?

Matthias Fink: Meine Grundidee vor vier Jahren war das Polygon. Ich habe versucht, einen schlanken Karosseriekörper zu zeichnen und trotzdem den Kotflügeln ihre maximale Breite zu geben. Also habe ich alles „Unnötige“ zwischen den Rädern weggeschnitten. So entstand die kantige Grafik. Zwischen den Kanten haben wir dann aber die weichen, wohlgeformten Flächen gespannt, die für unsere Marke typisch sind. Der Q2 ist völlig anders als die bekannten Audi-Modelle, aber trotzdem Audi pur!

Wo finden wir das sechseckige Polygon wieder?

Matthias Fink: An vielen Ecken. Zum Beispiel an den scharfkantigen Anformungen zu den Heckleuchten, am Schweller, der ebenso durch seine Facettierung die Räder betont, oder am Kühlerschutzgitter, das aus vielen kleinen Polygonen besteht und somit die konventionellen Horizontalrippen auflöst. In gewisser Weise ist auch der Singleframe selbst ein Polygon. Durch eine weitere vertikale Abfasung im unteren Bereich haben wir ihn zu einem Oktagon werden lassen. Das hebt den Singleframe optisch an und gibt ihm ausreichend Distanz zur Straße – typisch für den Q-Look.

Wurde das gestalterische Konzept während des Designprozesses irgendwann mal infrage gestellt?

Matthias Fink: Als wir die Ur-Skizzen zum ersten Mal in Modelle umgesetzt haben, wurde uns klar, dass das Design sehr geometrisch und kantig werden würde. Daraufhin haben wir überlegt, eine der Kanten aufzuweichen, aber festgestellt, dass das Auto dadurch stark an Charakter verlieren würde. Deshalb haben wir am Ursprungskonzept festgehalten – mit all seinen Ecken und Kanten.

ID: TTS59714
Matthias Fink
Exterieurdesign
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Jens Kosyna
Technischer Projektleiter Audi Q2
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